Männer auf Touren

 
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Sonntag 7. September 2008

Stuhleck
Spital am Semmering - Hocheck - Karl Lechner Haus - Alois Günther Haus -
K. Lechner Haus - Gaisschlager Mühle - Kaltenbachgraben - Spital

  Mit dabei:

16 Männer:
Charly, Christoph, Ernst, Frankie, Helmut, Igo, Joachim, Josef, Josip, Michael, Peter, Rainer, Richi, Stephan, Walter, Wolfgang

und 3 Damen:
Emmi, Frieda und die kleine Emmi. Sie hatte überhaupt den Haupttreffer gezogen, weil sie mit ihren 2 Monaten fast die ganze Strecke von Richi getragen wurde. Jung müsste man sein.

Ab Südbahnhof 8:14 mit dem Erlebniszug "Zauberberge" nach Spital. Wie bei der Bahnwanderung im Erste-Klasse-Wagen mit blauen Sitzbezügen. Charly, Richi, die kleine Emmi und Frieda stiegen in Wiener Neustadt zu und brachten wieder Süßes mit: selbst gemachten Eierlikör Gugelhupf. Danke, das verschaffte uns die nötigen Kohlenhydrate. Ab Breitenstein gab eine ältere Dame mit Dauerwellen und neckischen kleinen Stoffblumen am pastellfarbenen Kleid ihr Wissen um den Semmering, die Häuser, die Bahn, Ghega und die Berge preis. Es war nicht klar, ob sie Hobbyreiseleiterin, pensionierte Geographielehrerin (und auch Hobbyreiseleiterin) oder sonst was war. Jedenfalls lauschte ihr die kleine Truppe andächtig und beim Aussteigen am Semmering hatten alle ein euphorisches Leuchten in den Augen und vor Aufregung sicher Zwerchfellhochstand. Ich glaube es war auch dieses Grüppchen, das mit einem einzigen Pullover sieben Plätze reservierte und in den Speisewagen (ja! den gab es auch) abhaute.

Nach der leicht verspäteten Ankunft in Spital, wo Michael und Stephan auf uns warteten, gingen wir um 10:17 los und verfransten uns gleich einmal. Statt Richtung Stuhleck landeten wir am Radweg nach Steinhaus. Also kehrt gemacht und dann mutig bergan. Zuerst über eine Wiese, unter dem untersten Abschnitt des Sesselliftes durch und dann in den Wald. Der Weg war kaum schwierig, und bis auf wenige kurze Abschnitte auch nicht allzu steil. Trotzdem überwanden wir auf der Etappe bis zum Karl Lechner Haus fast 700m. Josip sammelte Pilze, die nur er und Walter kannten. Charly verweigerte diesmal das Sammeln, weil "genug zum Essen da ist und das muss zuerst einmal weg!".

Kurze 15 minütige Rast am Waldrand mit Blick Richtung Fröschnitztal und weiter zum Karl Lechner Haus, wo wir um 13:00 Uhr eine viertelstündige Kracherl-Pause einlegten. Knallrotes Himbeer-Kracherl. Die kleine Emmi wurde von allen Gästen bewundert. Junge Hunde haben schon was! Die letzten 45 Minuten ging es steiler bergan und oberhalb der Baumgrenze blies der Wind kräftig durch die Latschen. Das restliche Stück zum Alois Günther Haus war nach allen Seiten frei. Da stellte sich dann auch etwas Kälte ein und Nebelschwaden umzogen die Hütte.

Unser denkwürdiger Aufenthalt begann um Punkt 2 Uhr Nachmittag. Wie immer zuerst einmal Durst löschen: Radler, besagtes Kracherl, Apfelsaft, Bier und dann quer durch die Karte. Geröstete Knödel, Schnitzel und Brettljause. Fritattensuppe und Topfenschmarren kamen nicht so gut an. Gulasch hatte glaube ich auch jemand. Wir saßen an einer langen Tafel, da verliert man leicht den Überblick. Ebenso wie die junge Kellnerin, die drei Krügerln auf ihrem Tablett balancierte. Beim Servieren des ersten entglitt ihr die Kontrolle über die anderen beiden, die sich über Michael ergossen. Eines zerbrach sogar, was einen gewissen Glücksfaktor haben soll. Christoph und Peter bekamen auch etwas Hopfensaft ab, die volle Ladung tränkte aber Michis Hemd und Hose. Dafür hatte er sein Essen und ein Getränk frei, was böse Zungen zur Unterstellung veranlasste, er hätte das Mädel absichtlich irritiert. Völliger Blödsinn, es war die pralle Ladung schöner Menschen an einem einzigen Tisch! Frieda nahm es gelassen und kletterte über Stühle auf die Fensterbank, wenn sie nicht gerade Richtung Küche abzog. Jedenfalls brachte uns die Gipfel-Bier-Taufe ganz kurz in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses. Nur Emmi (die größere) blieb ungerührt unterm Tisch.

Nachdem alle Ihr Kaffeetscherl konsumiert hatten, wieder hinaus in die windige Kälte und Abstieg zum Lechner Haus. Sobald wir unter der Kammhöhe waren, verschwand auch der Wind und die Temperatur war wieder etwas moderater. Beim Lechner Haus ging sich nur ein kurzer Halt zum Gruppensammeln aus. Weiter durch den Wald, bergab in den Kaltenbachgraben. Richtig Pause machten wir erst bei der Gaisschlager Mühle, weil Joachim und Peter fehlten. Unsere Befürchtung, sie könnten einander ob unterschiedlicher Weltanschauungen an die Gurgeln geraten sein, erwies sich als falsch. In der Hitze ihrer Diskussion hatten sie eine Wegabzweigung versäumt und Joachim setzte sich in den Kopf, wieder zurückzugehen, weil er nicht die Forststrasse entlang trotten wollte. Uns war der halbstündige Aufenthalt recht. Hinter der Hütte stand ein Fass mit Most und Igo hätte ihn zu gerne verkostet, wollte aber kein Dieb sein. Dafür lenkte jemand die bewegliche, hölzerne Rinne direkt auf das Mühlrad, was plötzlich zu einem tosenden Wasserfall führte und alle, die das nicht mitgekriegt hatten, zusammenzucken ließ. Einige dachten sogar, jemand wäre in den Bach gefallen.

Knapp unter der Mühle war die Strasse dann asphaltiert, allerdings mit wenig Verkehr. Vorbei an den im Sommer sichtlich eingestellen Sesselliften und einigen Pseudo-Tiroler-Almhütten bis Spital. Frieda verlegte ihr Interesse von Papiertaschentüchern auf Arbeitshandschuhe und im 18:00 waren wir im Ort. Es war mehr als eine Stunde Zeit bis zur Abfahrt unseres Zuges. Im "Hirschenhof" gab es Kaffee, Roulade, Cola, Bier und Soda Citron. Michael führte Stephan zum Schnellzug nach Mürzzuschlag, weil dieser noch am Abend in Salzburg sein wollte, kam aber wieder zurück, um sich von uns gebührlich zu verabschieden, bevor er nach Kärnten weiter fuhr. Danke, sehr aufmerksam.

Der "Bahnhof" stürzte uns in Zweifel, ob wir auf der richtigen Seite waren und ob überhaupt noch ein Zug kommen würde. Der Bahnsteig war mit Gras bewachsen, so als hätte ihn vor 10 Jahren des letzte Mal jemand benützt, und am Gleis davor standen Schotterwagen. Der einzige Übergang war mit einem Verbotsschild gesperrt. Die Verunsicherung, ob wir beim richtigen Gleis waren, nahm zu. Was, wenn der Zug gegenüber fährt und einer dieser schnellen Intercity uns beim Überqueren der Gleise überrollt? Dann drei Lichter: DER ZUG KOMMT! Leider nicht, es war ein EC, zwar am richtigen Bahnsteig und zur richtigen Zeit (19:09), aber er fuhr mit lautem Signal durch. Und die Hoffnung, der Fahrdienstleiter würde kommen und unseren Zug ankündigen, war trügerisch. Der Bahnhof war menschenleer. Aber mit 6 Minuten Verspätung kam dann unsere S-Bahn-Garnitur und hielt auch an unserem Bahnsteig. Alles war wieder gut.

Die junge, etwas dralle Schaffnerin übersah, dass wir einen Hund mehr als Fahrscheine dabei hatten und gurrte mit Emmi. Sie war selbst Hundebesitzerin, das schweißt zusammen. In Payerbach riss eine überaus dicke Person immer die Tür auf und plärrte nach ihrem Horstl, damit er endlich wieder einstieg. Die Verspätung wurde aber trotzdem aufgeholt.

Umsteigen in Wiener Neustadt (an 20:25, ab 20:35); Charly, Richi, die kleine Emmi und Frieda verließen uns und der Rest kam pünktlich um 20:13 in Meidling an. Aber die Denkaufgabe aus dem Standard wurde nicht gelöst. Ich glaube es war Sudoku oder das tückische Kreuzworträtsel mit den verdrehten Fragen.

Kurze Wandermathematik:

1000m bergauf und wieder bergab; Gesamtgehzeit (ohne Pausen): knapp 5 1/4 Stunden. Joachim und Peter dürfen sich 1/2 Stunde dazurechnen.

Und gequatscht wurde unter anderem über:

Automatische Supermarktkassen in den USA und das Scheitern ebensolcher bei uns und wie kann man eine solche Kassa betrügen; wer Service beim Buchen will, soll sich die Beratungsgebühr leisten, denn spätestens bei einer Reklamation lohnt sich das; Oporto ist keine Billigflug Destination; mindestens 75-jährige Stewardessen auf amerikanischen Inlandsflügen, welche das Servieren der kleinen Erdnuss gefüllten Plastikpölsterchen ganz alleine machen müssen; dicke Stewardessen auf eben solchen Flügen die sich nur quer durch die Reihen schieben können, was uns wieder zum Problem der Verfettung der US-Bürger und auch unserer Bevölkerung führte; schwul sein im Iran; geistlose Österreicher bei Elizabeth T. Spira; die Sezessionisten und Joachim ist keiner; der Zuckergehalt des Himbeerkracherls; wird uns der Versuch mit dem Teilchenbeschleuniger bei C.E.R.N. in Genf Schwarze Löcher bescheren und werden diese alles verschlingen?; merken wir das überhaupt oder geht das sehr schnell?; eine persönliche Anmerkung: wenn auf dieser Kugel in vielen Ländern die Kunst so eingeschränkt wird, warum nicht auch die Wissenschaft? Die Darstellung nackter Geschlechtsteile erscheint mir weniger gefährlich als ein Punkt, der kurz schmatzt und das ganze Sonnensystem verschlingt, ohne nachher auch nur zu rülpsen; egal: in einigen Wochen werden wir es wissen - oder eben nicht mehr;
ich hasse Radfahrer (...wenn ich nicht gerade selbst im Sattel sitze, Anm. d. Verfassers); ich wollte meine 3000 Bilder am PC reduzieren und jetzt habe ich 6000; alte und neue Hüte um unser aller Jörg; nicht nur in den USA muss man mit Badehose in die Sauna (ich frage mich, warum wir nicht alle schon im Salonsteirer oder -Dirndl geboren wurden); am Neunkirchner Flohmarkt findet man noch immer Schnäppchen; was, du bist schon um 5 Uhr früh am Wiener Flohmarkt ?????; und so weiter und so weiter.

Der Höhepunkt war zweifellos die "Biertaufe". Wir sind eben leicht zu unterhalten.
Aber wenn jemand von Innsbruck nach Kärnten fährt und einen Umweg nach Spital am Semmering in Kauf nimmt, nur um sich in unserer Gegenwart mit Bier begießen zu lassen, ist zu überlegen ob "Männer auf Touren" nicht allmählich grenzüberschreitend aktiv werden sollten.

Und ich genoss es immer wieder sehr, hinter Charly zu gehen. Die Küchenrolle, die keck aus seinem Rucksack ragte, faszinierte mich.

Rainer


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